lenny-k_bridge-noirViele Digitalisierungs-Projekte bleiben stecken, weil Manager noch analog denken. Zu diesem Schluss kommt Roman Stöger in einer aktuellen Studie zur Umsetzung der Digitalisierung. Zugespitzt formuliert er: „Industrie 4.0 trifft Führung 1.0.“ Zwar sind die wichtigen Hebel für das digitale Change Management den meisten Führungskräften bekannt, kommen aber in der Praxis des Management nicht an.

So ist eigentlich allen klar, dass Digitalisierung auf den Aufgabenzettel des Top-Management gehört, aber die Projekte werden dann doch in die alten organisatorischen Silos delegiert. Alle wissen, dass sich Unternehmen in der digitalen Transformation konsequent an Prozessen ausrichten müssen, aber in der Praxis versuchen es die meisten Unternehmen mit ihren alten Organisationsformen.

Digitale Agenda im Alltag

Warum ist das so? Ich vermute, es ist uns noch nicht gelungen, die Anforderungen der digitalen Agenda so herunterzubrechen, dass Führungskräfte diese To Dos in ihrem Alltag sinnvoll unterbringen können. Auch die Aufgaben, die uns Stöger ins Pflichtenheft schreibt, knüpfen zu wenig an den Führungsalltag der Manager an.

So fordert er zum Beispiel, dass „die Führungsmannschaft ein einheitliches Verständnis zur Digitalisierung“ entwickelt, dass eine „Digitalisierungs-Agenda“ klare Orientierung schafft, oder eine „Kultur der Veränderungsfähigkeit und der Umsetzungsstärke“ geschaffen werden muss. Ich fürchte, dass diese Leitlinien zu allgemein bleiben, um wirksam zu werden.

(Professor Roman Stöger, FH Kufstein und Malik Management Zentrum St. Gallen: in der Zeitschrift Organisationsentwicklung (ZOE 1/2017))

Manager zu Prozessverantwortlichen

Stöger zitiert Jeffrey Immelt (CEO von General Electric), jedes Industrieunternehmen müsse sich zu einem Softwareunternehmen entwickeln. Diesen Gedanken sollten wir weiterführen. Für mich bedeutet das: Jede Führungskraft muss sich zum Product Owner ihrer Prozesse und Applikationen entwickeln. Das hat in der Praxis sichtbare Konsequenzen:

  1. Das Verhältnis zwischen IT-Management und Business-Management ist neu zu verhandeln. Führungsverantwortliche können technische Fragen nicht mehr an eine IT-Abteilung delegieren, sondern übernehmen selbst die Verantwortung für die effektive Funktionalität ihrer Anwendungen. Umgekehrt kann sich kein IT-Mitarbeiter mehr darauf zurückziehen, dass er nur für die Funktionalität laut Spezifikation zuständig ist und die Geschäftsprozesse ihn nicht interessieren müssen.
  2. Führungsverantwortung definiert sich nicht mehr nach der Zahl der Mitarbeiter sondern nach der Wirksamkeit der von ihnen verantworteten Prozesse. Linienmanager kommen nicht mehr umhin, ihre Prozesse zu identifizieren und deren Effektivität zu rechtfertigen.
  3. Prozessverantwortung macht an Abteilungsgrenzen nicht Halt. Führungskräfte müssen lernen, sich von Kollegen „hineinregieren“ zu lassen und anderseits ihre Prozesse selbst auch in anderen Abteilungen zu führen. Der Umgang zwischen Abteilungen braucht dafür Kommunikationsformen.
  4. Modelle sind die Sprache der Digitalisierung. Sie schaffen die Plattform, dass Prozess- und IT-Verantwortliche miteinander gemeinsam Verantwortung für Prozesse und Applikationen übernehmen können. Alle Verantwortlichen in Business und IT müssen in dieser Sprache zu Hause sein. BPMN (Business Process Model and Notation zur Modellierung von Prozessen) und DMN (Decision Model and Notation zur Modellierung von Entscheidungsregeln) gehören zum Grundvokabular digitaler Unternehmen.
  5. Digitalisierung lässt sich nicht linear planen. Detaillierte Projektbudgets und Zielvereinbarungen über ein ganzes Jahr werden zu Makulatur. Gefragt sind flexible Steuerungsmodelle für Projekte. Führungsverantwortliche müssen lernen, in agilen Projektstrukturen zu führen.

Download: Führungskompetenzen zur Digitalisierung

Die digitale Agenda lässt sich ziemlich konkret auf erforderliche Kompetenzen von Führungskräften herunterbrechen. Unternehmen können ein klares Signal an ihre Führungsmannschaft auf allen Ebenen senden, dass sie Digitalisierung ernst meinen: Die digitalen Kompetenzen gehören auf den Stundenplan für das lebenslange Lernen von Mitarbeitern und Führungskräften.

Eine Übersicht der Führungskompetenzen zur Digitalisierung können Sie hier herunterladen.

Webinar: „Digitalisierung ist nichts für Feiglinge“

Zusammen mit der Signavio biete ich am 23. März 2017 um 14:00 Uhr ein Webinar zu den digitalen Kompetenzen für Führungskräfte an.  Melden Sie sich hier kostenfrei zum Webinar an:

Webinar: Digitalisierung ist nichts für Feiglinge – Welche Kompetenzen brauchen Führungskräfte in der digitalen Transformation?

 


Die Brücke: Lenny K., Flickr cc-Lizenz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.