Entscheidungen und Regelprüfungen sind zwei Paar Schuhe. Entscheiden ist die Wahl zwischen zwei Gütern („einen Tod müssen Sie sterben“), die Prüfung ist die (mehr oder weniger) simple Auswertung einer Regel. Entscheidungen sind nie richtig oder falsch, Prüfungen sehr wohl. Für Regelprüfungen gibt es jetzt eine strukturierte Sprache, mit der wir die Regeln eindeutig beschreiben können. Das ist eine Erleichterung für viele Projekte, und es lohnt sich meiner Meinung nach, sich diesen Standard zu eigen zu machen.

Decision Model and Notation (DMN)

Die Object Management Group stellt diesen Standard als DMN (Decision Model and Notation) in der Version 1.0 vor. Die Modellierungssuite Signavio unterstützt diesen neuen Standard. Hier lesen Sie, worum es geht.

Meine Kritik vorweg: Der Standard hätte „Business Rules Model and Notation“ heißen müssen. Denn er unterstützt die Beschreibung von Regeln, die dazu führen, dass wir NICHT ENTSCHEIDEN müssen. Entscheidungen kann man weder „managen“ noch modellieren. Die Wortwahl rührt wohl von einer eingeschränkten Sicht der Wirtschaftsinformatiker auf die Realität von Organisationen. (Zum Unterschied zwischen Prüfen und Entscheiden siehe den Blogbeitrag „Entscheiden!“ vom 18.10.2014).

Der Weg der Regelprüfung

Doch nun zur Modellierungssprache: Das Modell veranschaulicht, wie Prüfungen („Decisions“) auf Eingabedaten, Wissensmodellen, Wissensquellen und anderen Entscheidungen basieren. Wissensmodelle sind im Verständnis der DMN die Entscheidungstabellen, die für jede Kombination von Input-Daten die richtige „Entscheidung“ ablesen lassen. In meinem ersten Beispiel (siehe Abbildung) habe ich die Prüfung eines User-Request in der IT-Administration abgebildet.

Ein Antragsteller liefert seinen Namen, die gewünschte Anwendung und seine technische Umgebung in einem Antrag. die organisatorische Prüfung ermittelt, welche Rolle der Anwender in der Organisation innehat und ob die gewünschte Anwendung für diese Rolle vorgesehen ist. In der technischen Prüfung wird eine Tabelle abgefragt um zu ermitteln, ob die gewünschte Anwendung in der technischen Umgebung des Anwenders genehmigt ist. Aus beiden Prüfungen ergibt sich die Ja/Nein Prüfung des Antrags. Im nächsten Schritt der Modellierung wären die entsprechenden Regeltabellen zu erstellen und mit dem Modell zu verlinken.

Anwendung Beschaffungsantrag

Ich habe eine ähnliche Situation gerade in einem aktuellen Projekt gesehen, wo wir die Regel mit einer Reihe von verschachtelten Excel-Tabellen abgebildet haben. Das ist, wie ich finde, schwer zu vermitteln. Mit einem solchen DMN-Modell hätten wir mehrere kleine und überschaubare Tabellen und die verbindende Logik wesentlich einfacher darstellen können.

Die Zeit zwischen den Jahren bietet ja viel Zeit, Neues auszuprobieren. Ein DMN-Test mit dem Beschaffungsantrag könnte sich lohnen…

DMN ausprobieren mit Signavio

Den detaillierten Standard DMN erhalten Sie unter diesem Link bei der Object Management Group. Bei Signavio können Sie mit einer kostenfreien Testversion des Modelers nicht nur den neuen Standard DMN ausprobieren, sondern auch seit jeher hervorragend BPMN- und UML-Diagramme erstellen. Danke an die Signavio-Entwickler, die den Standard sofort umgesetzt haben.

One thought on “Geschäftsregeln modellieren

  • 21. Mai 2015 at 16:58
    Permalink

    Thanks for highlighting DMN. I do have to disagree with your characterization of it as a business rules standard. We have had great success using DMN to frame analytic requirements and integrate predictive analytics, even dashboards and visualization tools. DMN is about decisions and, yes, business rules are too but it would be unfair to say that DMN is JUST about business rules
    Thanks
    James

    Reply

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