In einer Dissertation der Universität Potsdam lese ich, wie ein Unternehmen aufgrund von fehlerhafter Prozessmodellierung (und daraus entwickelter Softwareunterstützung) in die Pleite getrieben wurde. Soll einem da nicht angst und bange werden?

Der Autor  unterstreicht mit dem Beispiel, wie wichtig es ist, das Know-how der Prozessbeteiligten richtig in die Erstellung der Modelle einzubeziehen. (Alexander Lübbe, Tangible business process modeling: design and evaluation of a process model elicitation technique)

Kästchen, Linien und das wahre Leben

Wer schon einmal mit einem Diagramm aus Kästchen und Linien vor Fachexperten stand, kennt dieses Gefühl von Unsicherheit: Stimmen die jetzt zu, weil das Modell wirklich passt? Oder wirkt das professionell erscheinende Modell so beeindruckend, dass sie es nicht verstehen und die Fehler im Modell nicht erkennen? Vielleicht hat man den einen oder anderen aus der Runde schon als ausgesprochen detailverliebt kennengelernt (Schwaben dürfen „Dipfleschisser“ sagen) und hat seinen Einwand als nebensächlich abgehakt. Wann stimmt das Modell?

Methoden zur Prozesserhebung

Alexander Lübbe hat in einer Versuchsreihe unterschiedliche Formen der Einbeziehung von Fachexpertise in den Modellierungsvorgang getestet und die Produktivität gemessen (ich zweifele, ob man das wirklich messen kann). Der „Testsieger“ ist eine Methode, bei der die Teilnehmer eines Workshops selbst mit Modellsymbolen aus Acryl auf einer Tischplatte modellieren. „Tangible BPM“ nennt Lübbe dieses Verfahren. Ich bin sicher, dass damit das Know-how der Fachexperten sehr gut in den Prozess einfließen kann. Eine sinnvolle Innovation für Prozessworkshops.

Aber zurück zum Eingangsbeispiel: Hier scheiterte das Unternehmen, weil bei der Modellierung des Geschäftsprozesses eine Kontrollfunktion nicht dargestellt wurde und so Unbefugte in der Lage waren, wichtige Entscheidungen zu treffen. Eine öffentliche Institution bemerkte diesen Fehler und schloss das Unternehmen bei Vergaben aus.

Fehler lässt sich einfach vermeiden

Das Beispiel zeigt meines Erachtens etwas ganz anderes: Es braucht eine einfache Checkliste, mit der ein Modellierer die fünf Aspekte des Prozessmanagements für sein Modell abklopft: Steuerung, Organisation, Information, Sicherheit und Kontrolle. Spätestens beim Check auf Sicherheit hätte der Fehler auffallen müssen.

In der Fachliteratur ist es ein verbreitetes Stilmittel, zunächst spektakuläre Fehlentwicklungen aufzuzeigen, um dann ein eigenes Verfahren vorzustellen. So entsteht der Eindruck, dieses Verfahren diene dazu, solche Fehler für die Zukunft zu vermeiden. Manchmal hilft aber auch eine praktische Checkliste.

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